Warum Bewegung bei ADHS so wichtig ist

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13.05.2026 16:11:39

Kinder mit ADHS zeigen häufig motorische Unreife und Koordinationsschwierigkeiten, obwohl sie durch Hyperaktivität ständig in Bewegung sind. Studien weisen auf eine motorische Reifungsverzögerung sowie Defizite in Grob- und Feinmotorik, Gleichgewicht und räumlicher Orientierung hin.

Gezieltes Bewegungstraining kann diese motorischen Schwierigkeiten verbessern und zugleich kognitive Fähigkeiten wie Lernen, Konzentration, Gedächtnis, Impulskontrolle und Aufmerksamkeit fördern.

Kurzübersicht

  • Kinder mit ADHS zeigen trotz Hyperaktivität häufig motorische Defizite.
  • Studien weisen auf eine motorische Reifungsverzögerung von etwa zwei Jahren hin.
  • Schwierigkeiten zeigen sich in Grob- und Feinmotorik, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und räumlicher Orientierung.
  • ICD-11 und DSM-5 ordnen ADHS als neurologische Entwicklungsstörung ein.
  • Gezieltes Bewegungstraining kann motorische und kognitive Fähigkeiten verbessern.

Inhalt

Der Widerspruch: Hyperaktivität und motorische Defizite

Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich: Kinder mit ADHS bewegen sich viel, zappeln, laufen herum oder wirken ständig aktiv. Dennoch bedeutet viel Bewegung nicht automatisch gute Motorik.

Hyperaktivität beschreibt vor allem eine starke motorische Unruhe. Gleichzeitig können Koordination, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und feinmotorische Steuerung deutlich beeinträchtigt sein.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu motorischen Schwierigkeiten bei ADHS

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kinder mit ADHS häufig eine verzögerte motorische Reifung aufweisen. Gillberg et al. beschrieben eine motorische Entwicklungsverzögerung von etwa zwei Jahren.

Weitere Untersuchungen, unter anderem von Dr. Kirsten Stollhoff, weisen auf Schwierigkeiten in folgenden Bereichen hin:

  • Grobmotorik
  • Feinmotorik
  • Gleichgewicht
  • Körperwahrnehmung
  • Räumlich-zeitliche Orientierung

Diese motorischen Defizite können sich im Alltag, in der Schule und beim Lernen deutlich bemerkbar machen.

Unterschiedliche Diagnosekriterien: ICD-10/11 vs. DSM-5

In Deutschland wurde ADHS lange nach der ICD-10 vor allem im Bereich hyperkinetischer Verhaltensstörungen eingeordnet. Das DSM-5 beschreibt ADHS dagegen als neurologische Entwicklungsstörung.

Auch die ICD-11 ordnet ADHS inzwischen den neurologischen Entwicklungsstörungen zu. Diese Sichtweise macht deutlich, dass ADHS nicht nur Verhalten betrifft, sondern mit Reifung, Regulation und Vernetzung des Nervensystems zusammenhängt.

Bewegung als Schlüssel zur Verbesserung

Wenn Kinder mit ADHS motorische und koordinative Schwierigkeiten haben, liegt ein gezieltes Bewegungstraining nahe. Bewegung ist nicht nur körperliche Aktivität, sondern auch eine Form von Gehirnstimulation.

Gehirn und Muskulatur kommunizieren ständig miteinander. Bewegung liefert dem Gehirn wichtige sensorische Rückmeldungen und unterstützt die Entwicklung neuronaler Netzwerke.

Neuroplastizität: Wie das Gehirn durch Bewegung lernt

Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung, Übung und Nutzung zu verändern.

Bewegung aktiviert zahlreiche Gehirnareale gleichzeitig: Motorik, Gleichgewicht, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Planung. Dadurch entstehen neue Verknüpfungen, die nicht nur körperliche Fähigkeiten verbessern, sondern auch kognitive Prozesse unterstützen.

Positive Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten

Gezieltes Bewegungstraining kann motorische Schwierigkeiten bei Kindern mit ADHS deutlich verbessern.

Darüber hinaus zeigen Studien positive Effekte auf kognitive Fähigkeiten wie:

  • Lernen
  • Gedächtnis
  • Impulskontrolle
  • Aufmerksamkeit
  • Konzentration

Wenn Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Koordination stabiler werden, kann auch das Gehirn Informationen besser verarbeiten und regulieren.

Fazit: Bewegungstraining als ganzheitlicher Ansatz bei ADHS

Gezieltes Bewegungstraining ist für Kinder mit ADHS ein wichtiger ganzheitlicher Ansatz. Es verbessert nicht nur Motorik, Koordination, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung, sondern unterstützt auch Aufmerksamkeit, Lernen und Selbstregulation.

Bewegung stimuliert das Gehirn, neue Verbindungen aufzubauen und bestehende Netzwerke zu stärken. Damit kann sie ein wirkungsvoller Bestandteil der Förderung von Kindern mit ADHS sein – für mehr körperliche Sicherheit, geistige Klarheit und emotionale Balance.

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