Tic(k)st du nicht richtig?

05. Dez 2019Thomas Weidauer
Tic(k)st du nicht richtig?


Gar nicht so einfach, wenn sich Laute und Bewegungen verselbständigen!

Haben Sie schon einmal bemerkt, dass einige Menschen entweder komische Geräusche von sich geben oder merkwürdige Grimassen ziehen, wie fremdgesteuert ihre Gliedmaßen bewegen?

Sind die Menschen, bei denen wir das bemerken, über 50 Jahre alt, sprechen die Mediziner häufig von „essenziellem Tremor“, also einem Zittern, das ganz viele Ursachen haben kann. Dazu gehören meist Stoffwechselerkrankungen, z.B. der Schilddrüse oder der Nieren, Diabetes, Medikamentennebenwirkungen und auch die Parkinson-Krankheit.

Bei Kindern jedoch handelt es sich nicht um einen Tremor, sondern um Tics, die nicht nur vielfältiger, sondern häufig auch komplexer und glücklicherweise meist vorübergehend sind. Da wird der Kopf nach hinten gestreckt, zwanghaft gegähnt, in die Luft geschlagen, gebrüllt, geschnalzt, gebellt. Ganz schön verwirrend. Die bekannteste Tic-Störung ist das chronisch verlaufende Tourette-Syndrom.

Wenn ein Kind unter einem Tic leidet, produziert es immer wieder, ohne willentliche Beeinflussung, in schneller Abfolge entweder Geräusche und Laute und/oder Bewegungen. Diese können recht einfach sein (wie Zwinkern, Räuspern, Blinzeln) oder auch komplex (wie im Kreis drehen, Wiederholen von Sätzen). Rein statistisch betrifft das 10 bis 15 % aller Kinder im Grundschulalter, wobei Jungen häufiger betroffen sind und die Tics meist kombiniert (mehr als ein Tic) auftreten.

Als Ursache vermuten Mediziner eine ungleiche Reife der Hirnregionen und Probleme bei der Transmission der Botenstoffe, und ein entsprechender Umgang mit dem Phänomen ist unerlässlich. Wie auch bei anderen Auffälligkeiten hat das Umfeld Schwierigkeiten mit Dingen, die eben nicht der Norm entsprechen, und das wiederum verstärkt den Leidensdruck für betroffene Kinder. Hänseleien, Ausgrenzung und Mobbing sind häufig die negative Reaktion anderer Kinder (und auch Erwachsener).

Ein Teufelskreis, denn Kinder mit einem oder mehreren Tics haben zwar eine Vorahnung und können die „Selbstläufer“ eine bestimmte Zeit unterdrücken, doch Stress und belastende Situationen sind wie ein Verstärker für die unwillkürlichen Laute und Bewegungen.
Hinzu kommen die für das soziale Umfeld so schwierigen „Komorbiditäten“ (weitere Erkrankungen), wie AD(H)S, Zwänge, Ängste, Störungen im Sozialverhalten.

„Hör doch mal auf damit!“, „Guck mal, der ist verrückt geworden!“ 

sind einige der Reaktionen aus dem Umfeld, und auch Spott und Scham gehören zum Unverständnis. Als Gegenmittel bieten sich hier Aufklärung, Akzeptanz, Geduld und viel Verständnis an.
Glücklicherweise sind viele dieser Tics vorübergehend, halten manchmal sogar nur einige Wochen an, bessern sich oder verschwinden bei 70 % der Betroffenen ganz.

Eine Ausnahme ist hier das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, das chronisch verläuft und sich sehr massiv präsentieren kann. Hier fallen die Menschen häufig durch obszöne Gesten und Wörter auf.

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