Was hat Gravitation mit der Gehirnentwicklung zu tun?

05. Jul 2021Thomas Weidauer
Was hat Gravitation mit der Gehirnentwicklung zu tun?

Oder: Wie Bewegung helfen kann, Haltung zu zeigen und Grenzen einzuhalten.

Propriozeption, oder Tiefensensibilität, ist die Fähigkeit, der Schwerkraft mithilfe von Muskelkontrolle und Gleichgewicht zu widerstehen. Es ist der Sinn, der uns die Haltung, Bewegung und Lage unseres Körpers anzeigt. Diese Fähigkeit wird auch als der sechste Sinn bezeichnet.

Erstaunlicherweise ist die Schwerkraft für unser Gehirn einer der größten Sinnesreize und wir können ohne nicht lange überleben. Die NASA hat sogar einen Begriff für das Phänomen, dass Gehirnzellen aufgrund der fehlenden Schwerkraft degenerieren: „space dyslexia“. Astronauten, die aus dem All zurückkehrten, wiesen kognitive Probleme auf, ähnlich wie Kinder mit Lernstörungen.

Da wir der Schwerkraft mithilfe unserer großen Muskeln und Gelenke widerstehen, ist es im Umkehrzug möglich, die Gehirnplastizität und das Wachstum von Gehirnzellen zu verbessern, indem Bewegung ins Spiel kommt.

Eher schwer und weniger Kraft

Wenn Kinder nun Schwierigkeiten im Bereich der Propriozeption haben, kann es sein, dass sie buchstäblich nicht „geerdet“ sind. Sie spüren ihren eigenen Körper nicht richtig und haben auch ein schlechtes Gleichgewichtsgefühl. Häufig kann man beobachten, dass diese Kinder seltsam gehen, zu einer Seite geneigt oder schwerfällig und tollpatschig sind. Einfach nur mit geschlossenen Augen ruhig auf der Stelle zu stehen, ist häufig nicht möglich. Es kann auch vorkommen, dass betroffene Kinder Teile ihres eigenen Körpers nicht im Spiegel erkennen. Natürlich hat diese körperliche Entfremdung oder Abkopplung auch eine Auswirkung auf die soziale und emotionale Entwicklung. Ist ein Kind nicht in der Lage, seinen eigenen Körper zu spüren und Emotionen zu verstehen, fehlt ihm häufig auch die Fähigkeit, mit den Emotionen anderer in Kontakt zu treten. Die Kunst der nonverbalen Kommunikation geht verloren und das Verhalten ist als Folge davon im sozialen Kontext unsozial oder unangemessen.
Aber auch so scheinbar einfache Dinge, wie Ordnung halten, konzentriert zu arbeiten oder Begrenzungslinien beim Malen einzuhalten, sind deutlich erschwert.

Bewegte Abhilfe

Abgesehen vom Erkennen etwas unkoordinierter Bewegungen lässt sich die Fähigkeit zur Propriozeption einfach testen. Ein Weg ist über den Muskeltonus, d.h. die Grundspannung, die in den Muskeln des Körpers vorhanden ist. Denn ist dieser Muskeltonus sehr schwach, reagieren die Muskeln schwerfällig auf Bewegung, das Gehirn reagiert einfach nicht so stark. Daher erscheinen die Bewegung von außen betrachtet so schwerfällig.

Übungen, die den Kern des Körpers, also die Bauch- und Rücken, oder auch Torsomuskeln, trainieren, verbessern den Muskeltonus und damit auch die Propriozeption. Beispiele hierfür sind Sit-ups, Liegestütze und andere Muskeln für den Bauch und unteren Rücken.

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