Wie primitiv sind die kindlichen Reflexe?

18. Dez 2019Thomas Weidauer
Wie primitiv sind die kindlichen Reflexe?


…und welche Rolle spielen sie bei einer gesunden Entwicklung.

Primitive (frühkindliche) Reflexe entwickeln sich bereits vor der Geburt und helfen dem Säugling noch im Mutterleib, durch den Geburtskanal zu reisen. Sie kommen daher bei allen Neugeborenen vor.
Reflexe dienen als Überlebensmechanismen, um Säuglingen beim Essen, Greifen und Bindungsprozess zu helfen sowie gesunde Bewegungen zu fördern. Kinder brauchen nicht zuletzt aufgrund dieser Prozesse entsprechende Stimulation, um fortlaufend eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen.

Im Alter von drei bis fünf Monaten kündigen die primitiven Reflexe einen der ersten Meilensteine in der kindlichen Entwicklung an: das Drehen von einer Seite auf die andere. Es folgen viele weitere, von denen jeder wichtig ist.

Muskelbewegungen und die Stimulation der Sinne aktivieren Gene, die das Gehirn aufbauen und Neuronen und Verbindungen wachsen lassen, die wiederum vollständige Übergänge von einem Entwicklungsschritt zum nächsten ermöglichen. Innerhalb des ersten Lebensjahres sind die primitiven Reflexe dann nicht mehr erforderlich und werden vom Gehirn unterdrückt. Sie verschwinden nicht vollständig, sie werden lediglich der Kontrolle des Gehirns untergeordnet (integriert) und machen den Weg frei für komplexere (motorische) Reflexe, auch Haltungsreflexe genannt.

Wenn das „Unterdrücken“ der primitiven Reflexe nicht oder nicht vollständig stattfindet, kann dies zu einer Verzögerung in der Reifeentwicklung des Gehirns führen und somit ein Ungleichgewicht bewirken. Das zeigt sich häufig darin, dass das Timing der muskulären Entwicklung aus der Bahn geworfen wird.

„Das Verschwinden der Reflexe ist für das Erlernen grundlegender Bewegungen notwendig. Beispielsweise könnte kein Kind das Stehen, geschweige denn das Gehen erlernen, wenn der Fußgreifreflex (Plantargreifreflex) nicht verschwinden würde.“ - Wikipedia


Dieses Ungleichgewicht in der Entwicklung des kindlichen Gehirns erlaubt zwar ein Erlernen vieler Fähigkeiten, jedoch ist dieses großartige Schloss auf Sand gebaut. Das Fundament, die Basis ist dann nämlich schlichtweg schwach und Störungen im Bereich Verhalten, Wahrnehmung, Lernen und Motorik können die Folge sein.

Ein Beispiel ist der Moro-Reflex, oder auch Klammerreflex, bei dem in einer Schreckreaktion auf einen äußeren Reiz die Extremitäten zunächst gestreckt und dann in einer Umklammerungsbewegung wieder gebeugt und an den Körper herangeführt werden.
Bei Kindern und auch Erwachsenen, bei denen der Moro-Reflex nicht integriert wurde, demnach noch aktiv ist, stehen Angst, Rückzug und Überreaktivität im Vordergrund. Verhalten und Reaktionen sind geprägt von einem überaktiven sympathischen Nervensystem.

Noch oder wieder aktive Reflexe können durch gezielte Übungen auch später - sogar im Erwachsenenalter - noch integriert werden.

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