Trotziges Verhalten: Was passiert da im Gehirn?

16. Jul 2021Thomas Weidauer
Trotziges Verhalten: Was passiert da im Gehirn?


ADHS und eine Störung des Sozialverhaltens scheinen für Eltern wie eine kaum zu bewältigende Herausforderung.


Auch wenn vermeintlich schlechtes Verhalten bei Kindern gelegentlich als willentlich, manipulativ oder taktisch angesehen wird, ist es viel hilfreicher, einmal einen genaueren Blick auf das Gehirn zu werfen.

Bei ADHS leiden die Kinder unter Hyperaktivität, mangelnder Impulskontrolle und Unaufmerksamkeit. Handelt es sich um eine oppositionelle Verhaltensstörung (ICD-10: Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten), dann sind Reizbarkeit, Wut und störendes Benehmen kennzeichnend. Beiden Problemen gemein sind Schwierigkeiten bei sozialen Interaktionen, z.B. innerhalb der Familie und bei Freundschaften, sowie Probleme bei schulischen Leistungen.

Studien haben gezeigt, dass Kinder mit einem ausgeprägten, oppositionellen Trotzverhalten anders auf Angst, Stress und Bestrafung reagieren. Das hängt unter anderem mit einer veränderten Gehirnchemie zusammen. Eine reduzierte Stressreaktion (Cortisol), Unteraktivität der Amygdala und veränderte Serotonin- und Noradrenalinfreisetzung verhindert eine sinnvolle Einschätzung der negativen Konsequenzen von Handlungen. Außerdem scheint das sympathische Nervensystem schlecht auf motivierende Anreize zu reagieren und macht. zusammen mit einer geringen Dopaminreaktion, Belohnungen nahezu unwirksam. Und es gibt noch eine dritte, funktionelle Komponente. Strukturelle Defizite und kognitive Funktionsschwächen scheinen Exekutivfunktionen und emotionales Verhalten einzuschränken. Außerdem ist das Belohnungssystem (Basalganglien) der Kinder weniger stark entwickelt und ist seiner Reaktivität eingeschränkt bzw. verlangsamt.

Was bedeutet all das?

Wissenschaftler behaupten, dass ein unterentwickelter präfrontaler Kortex (der Bereich, der für Aufmerksamkeit und Kontrolle von Handlungen und Reaktionen verantwortlich ist) und chemische Ungleichgewichte für schwieriges und unangepasstes Verhalten verantwortlich sein können. Kinder mit diesen Schwierigkeiten können ihre Impulse und Emotionen schlecht kontrollieren, fallen durch übermäßige Reaktivität und eine Unfähigkeit, negatives Verhalten zu steuern, auf. Kurz gesagt, ein Gehirn, das in Teilen nicht ausreichend entwickelt oder vernetzt ist, kann Emotionen und Verhalten weniger gut kontrollieren.

Glücklicherweise wissen wir heute, dass unser Gehirn veränderbar ist und es lebenslang bleibt. Das bedeutet, dass Teile des Gehirns strukturell nachgereift, aufgebaut, angeglichen werden können. Durch gezieltes Training lässt sich die Steuerzentrale umbauen, die Vernetzung und Kommunikation im Gehirn verbessern. Das ist die Grundlage für einen Umgang mit Symptomen wie Impulsivität, Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Verhaltensschwierigkeiten.

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