Impulsiv oder kontrolliert?

15. Apr 2020Thomas Weidauer
Impulsiv oder kontrolliert?


Impulsivität - ein Mitglied des ADHS-Dreigestirns, deren andere Mitglieder die Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit sind. Und wie Sie vielleicht wissen, gehört ADHS zu den Störungsbildern, die im Erwachsenenalter nicht zwingend verschwinden, sondern häufig nur einen Wandel ihrer Symptomausprägung erleben.

Aber gerade die Impulsivität ist in jedem Alter ein schwieriger Begleiter. Sind Sie 7 Jahre alt und können Ihre Impulse nicht kontrollieren, dann sind Sie der Störenfried der Klasse, das Kind, das nie stillsitzen kann, und der-/diejenige, der/die ständig Risiken eingeht und unüberlegt handelt. Sind Sie 37, kann sich genau dieses Szenario wiederholen, außer dass Sie nicht den Frieden der Klasse 2 stören, sondern jedes Meeting an Ihrem Arbeitsplatz.

Doch auch wenn es in sehr jungen Jahren noch schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist, die eigenen Impulse bei ADHS unter Kontrolle zu halten, kann das mit Training und zunehmendem Alter erfolgreich gelingen.

Wo liegt das Problem?

Laut Wissenschaftlern gibt es 4 grundlegende Merkmale der Impulsivität.
1. Dringlichkeit: Der Wunsch, die Aktion erlaubt keinen Aufschub, muss sofort in die Tat umgesetzt werden.
2. Attraktivität: Trotz Punkt 1 werden vorrangig die angenehmen Aufgaben herausgepickt. Annehmlichkeit und sofortige Belohnung sind Prioritäten.
3. Automatismus: Es besteht eine Unfähigkeit, zu planen und Konsequenzen vorauszusehen. Es wird agiert, schnell und ohne nachzudenken.
4. Ungeduld: Langfristige Planungen und Projekte sind unattraktiv und widersprechen somit Punkt 2. Prokrastination geht Hand in Hand mit Impulsivität.

Wie trainiert man Selbstkontrolle?

1. Akzeptanz Wer ständig Ausreden für sein Handeln findet, hat ein Problem mit Akzeptanz und Verleugnung. Je eher Sie akzeptieren, dass die Impulskontrolle ein Problem ist, desto leichter kann gegengesteuert werden.

2. Achtsamkeit Wo die Impulsivität ohne nachzudenken vorprescht, helfen kleine Kniffe aus dem Achtsamkeitstraining. Durchatmen und die eigene Atmung mit den dazu gehörigen Gefühlen für einige Minuten achtsam wahrnehmen. Manchmal hilft es auch, einfach bis 20 zu zählen. Das verschafft etwas Zeit, um nicht wahllos zu reagieren, sondern besonnen zu antworten.

3. Selbstreflexion Mit Hilfe der Achtsamkeit etwas Zeit zwischen Trigger und Impuls zu gewinnen, gibt Ihnen die Chance, die eigenen Gedanken, Gefühle zu analysieren und zu hinterfragen, um dann angemessen zu handeln.

4. Sport treiben Dass Sport gut für die Gesundheit ist, dürfte nichts Neues sein. Aber diese Nutzen sind nicht auf die rein körperliche Funktion beschränkt. Sport baut Stress ab, verbessert die Konzentration und das Selbstvertrauen. Nur aufpassen, dass die Impulsivität nicht über den Risikofaktor der gewählten Sportart entscheidet.

5. Entspannung üben Sie können Entspannungstechniken, wie die progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Meditation oder Yoga nutzen, um Achtsamkeit zu üben, Stress abzubauen und in Kontakt mit sich selbst zu treten. Hilfreich für die Selbstkontrolle.

6. Struktur schaffen Leider arbeitet das Dreigestirn der ADHS Hand in Hand und Ablenkung ist ein ständiger Begleiter. Wenn Sie sich eine gut organisierte Tagesstruktur schaffen, haben Prokrastination und impulsive Aktionen eine geringere Chance, Ihnen das Leben schwer zu machen.

7. Hemisphärentraining Die rechte Gehirnhemisphäre kontrolliert Impulse und wenn ein Ungleichgewicht in der Gehirnentwicklung vorliegt, liegt das meist an einer schwächeren, rechten Hemisphäre. Ein Umstand, der mit hemisphärenspezifischem Training korrigiert werden kann.

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