Neurowissenschaft

Schlafprobleme bei ADHS: Tipps für besseren Schlaf

Geschrieben von Thomas Weidauer | 13.05.2026 14:02:28

Als wäre die Diagnose ADHS oder ADS nicht schon herausfordernd genug, treten häufig weitere Begleiterkrankungen auf, sogenannte Komorbiditäten.

Diese zusätzlichen Symptome können den Alltag nicht nur tagsüber erschweren, sondern sich auch nachts bemerkbar machen, zum Beispiel in Form von Schlafstörungen.

Genau hier beginnt häufig ein Teufelskreis:

Schlafmangel verstärkt die ADHS-Symptomatik, während die innere Unruhe und Überaktivität den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen.

Kurzübersicht

  • Kinder mit ADHS oder ADS leiden überdurchschnittlich häufig unter Schlafproblemen.
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Albträume und unruhiger Schlaf gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen.
  • Schlafmangel verschlechtert Konzentration, Stimmung und Impulskontrolle.
  • Eine gezielte Schlafhygiene kann helfen, den Kreislauf aus Unruhe und Überreizung zu durchbrechen.

Inhalt

Komorbiditäten bei ADHS – Wenn ein Symptom selten allein kommt

ADHS ist selten eine isolierte Erscheinung.

Neben den typischen Hauptsymptomen wie Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität und Hyperaktivität treten häufig weitere Belastungen auf.

Dazu gehören unter anderem:

  • Angststörungen,
  • Depressionen,
  • Lernschwierigkeiten,
  • Kopfschmerzen,
  • Zwangsstörungen,
  • Essstörungen,
  • emotionale Instabilität.

Diese sogenannten Komorbiditäten entstehen nicht zufällig.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich die Grunderkrankung und ihre Begleiterscheinungen gegenseitig verstärken können.

Das zeigt, wie komplex das neuronale Gleichgewicht im Gehirn tatsächlich ist.

Warum Schlafprobleme häufig Teil des ADHS-Spektrums sind

Schlafstörungen gehören zu den am wenigsten beachteten, aber häufigsten Begleitsymptomen von ADHS.

Viele Kinder – und auch Erwachsene – mit ADHS haben Schwierigkeiten:

  • einzuschlafen,
  • durchzuschlafen,
  • oder erleben unruhige Nächte mit häufigem Aufwachen oder Albträumen.

Die Ursachen liegen häufig in einer Überaktivierung des Nervensystems und einer gestörten Hemisphärenintegration.

Das Gehirn bleibt gewissermaßen „im Aktivmodus“, weil neuronale Netzwerke nicht ausreichend herunterregulieren.

Dadurch entsteht ein belastender Kreislauf:

Zu wenig Schlaf verschlechtert Aufmerksamkeit, Reizfilterung und emotionale Stabilität, was tagsüber wiederum zu Überforderung, Gereiztheit und Konzentrationsproblemen führt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse:
Die Tübinger Studie

Eine Studie der Universität Tübingen (Grünwald & Schlarb, 2017) untersuchte 72 Kinder mit ADHS.

Die Ergebnisse zeigten, dass diese Kinder deutlich häufiger unter Schlaflosigkeit und Albträumen litten als gleichaltrige Kinder ohne ADHS.

Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass gezielte Maßnahmen zur Schlafhygiene ein wichtiger Bestandteil der Unterstützung sein sollten, um Wohlbefinden und Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

7 Tipps für gesunden Schlaf und mehr Gehirngleichgewicht

  • Stille: Das Schlafzimmer sollte möglichst ruhig sein. Bei störenden Geräuschen helfen geschlossene Fenster oder Ohrstöpsel.
  • Dunkelheit: Ein abgedunkelter Raum unterstützt die natürliche Melatoninproduktion.
  • Raumklima: Eine eher kühle Raumtemperatur von etwa 16–18 °C sowie regelmäßiges Lüften fördern erholsamen Schlaf.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt den Schlaf. Intensive Belastung kurz vor dem Zubettgehen sollte jedoch vermieden werden.
  • Regelmäßigkeit: Feste Schlaf- und Aufstehzeiten helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
  • Kein Bildschirmlicht: Das Blaulicht von Smartphone, Tablet oder Fernseher kann die Hormonbalance stören und das Einschlafen erschweren.
  • Rituale: Abendliche Routinen wie Lesen, Musik, Kräutertee oder Atemübungen helfen Körper und Geist beim Abschalten.

Diese einfachen Maßnahmen verbessern nicht nur die Schlafqualität, sondern unterstützen auch die Regeneration des Gehirns und die kognitive Leistungsfähigkeit.

Fazit: Erholsamer Schlaf als Basis für Konzentration und Balance

Guter Schlaf ist kein Luxus, sondern eine wichtige Grundlage für Lernfähigkeit, Konzentration und emotionale Stabilität, besonders bei ADHS.

Ein gezieltes Zusammenspiel aus Schlafhygiene, Bewegung, Gehirntraining und Hemisphärenintegration kann helfen, die nächtliche Ruhe zu fördern und tagsüber die Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Denn nur ein ausgeruhtes und ausgeglichen arbeitendes Gehirn kann Reize besser verarbeiten, Emotionen regulieren und nachhaltiges Lernen ermöglichen.