Neurowissenschaft

ADHS und ADS verstehen: Symptome und Unterschiede

Geschrieben von Thomas Weidauer | 13.05.2026 14:06:20

Ob ADHS, ADS oder „Zappelphilipp“. Kaum ein anderes Thema wird in Familien, Schulen und Fachpraxen so häufig diskutiert. Die Begriffe tauchen in Gesprächen über Konzentrationsprobleme, Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten immer wieder auf. Doch was unterscheidet ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) eigentlich von ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom)? Und warum sind beide eng mit der Gehirnentwicklung und Hemisphärenintegration verbunden?

Kurzübersicht

  • ADHS und ADS gehören zu den hyperkinetischen Störungen der Kindheit und Jugend.
  • Drei Hauptkriterien bestimmen die Diagnose: Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität.
  • Bei ADS fehlt die Hyperaktivität. Betroffene Kinder wirken ruhig, sind innerlich aber unruhig.
  • ADHS zeigt sich häufig durch Zappeln, Ablenkbarkeit und impulsives Verhalten.
  • Beide Formen beeinflussen Konzentration, Lernleistung und emotionale Regulation.
  • Mischformen und zusätzliche Begleiterkrankungen treten häufig auf.
  • Eine differenzierte Diagnostik und gezielte Förderung sind entscheidend.

Inhalt

Was sind hyperkinetische Störungen?

Hyperkinetische Störungen, zu denen ADHS und ADS zählen, werden in der internationalen Klassifikation den Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend zugeordnet.

Während sprachliche und schulische Schwierigkeiten wie Legasthenie oder Dyskalkulie als Entwicklungsstörungen gelten, beschreibt ADHS eine Funktionsstörung der Gehirnregulation. Ursache ist häufig eine ungleiche Aktivität zwischen den Gehirnhemisphären, wodurch Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und exekutive Funktionen beeinträchtigt werden.

Drei Kriterien, die den Unterschied machen

Die Diagnose basiert auf drei zentralen Symptombereichen:

  • Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Aufgaben zu Ende zu bringen oder Anweisungen zu befolgen
  • Überaktivität: Ständige motorische Unruhe, Zappeln, Wippen oder übermäßiger Bewegungsdrang
  • Impulsivität: Spontanes Handeln ohne nachzudenken, Unterbrechen anderer oder Missachten von Regeln

Während ADHS alle drei Kriterien deutlich zeigt, fehlt bei ADS die Hyperaktivität. Kinder mit ADS wirken still und verträumt, kämpfen innerlich jedoch mit Chaos, Ablenkbarkeit und mentaler Überforderung.

ADS –
Die stille Schwester von ADHS

ADS wird oft übersehen, weil betroffene Kinder im Unterricht unauffällig erscheinen. Sie stören nicht, träumen vor sich hin, wirken langsam oder desinteressiert. Innerlich erleben sie jedoch eine ständige Flut an Gedanken, Geräuschen und Gefühlen.

Diese Kinder leiden häufig unter niedrigem Selbstwertgefühl, Versagensängsten und sozialem Rückzug. Die fehlende äußere Aktivität wird oft fälschlicherweise als Faulheit interpretiert, obwohl dieselben neurologischen Dysbalancen wie bei ADHS bestehen, nur mit anderer Ausprägung.

Herausforderungen im Alltag

Egal ob ADHS oder ADS , beide Formen bringen erhebliche Herausforderungen im Alltag mit sich. Kinder mit ADHS werden häufig als unsozial oder schlecht erzogen abgestempelt, ADS-Kinder dagegen als träge oder sonderbar.

In vielen Fällen liegt eine gestörte Hemisphärenintegration vor: Die rechte und linke Gehirnhälfte kommunizieren nicht optimal miteinander. Dadurch entstehen Probleme in der visuellen Verarbeitung, Konzentration, Impulskontrolle und Emotionsregulation.

Zusätzlich treten häufig Mischformen sowie Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Lernprobleme auf.

Ganzheitliche Wege zu Balance und Förderung

Neben medikamentösen Ansätzen rücken ganzheitliche Methoden zunehmend in den Fokus.

Dazu gehören:

  • Gehirntraining und sensorische Integration zur Stärkung neuronaler Verbindungen
  • Bewegung und Core-Stability-Training zur Verbesserung von Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeit
  • Reflexintegration zur Förderung der Hemisphärenbalance
  • Elterntraining und Verhaltenstherapie zur Schaffung klarer Strukturen und Sicherheit im Alltag

Diese Methoden nutzen die Neuroplastizität – die Fähigkeit des Gehirns, sich lebenslang anzupassen und neu zu organisieren.

Fazit: Verstehen statt verurteilen

Ob lebhaft und impulsiv oder ruhig und verträumt. ADHS und ADS sind keine Charakterfehler, sondern Ausdruck einer neuronalen Entwicklungsbesonderheit.

Mit gezieltem Training, Bewegung und Verständnis kann das Gehirn neue Wege lernen, um Aufmerksamkeit, Emotion und Verhalten besser zu regulieren. Das NeuroLifeBalance-Training unterstützt Familien dabei, Gehirn und Körper in Einklang zu bringen. Dadurch können mehr innere Ruhe, Lernfreude und Selbstvertrauen entstehen.